HETEROTOPIA

Verena Andrea Prenner I Micha Wille


Galerie Reinthaler, Wien

Opening: 28.05.2019, 19.00 Uhr


Unser Leben spielt sich gewöhnlich an Orten ab, deren Ablauf regeln wir verinnerlicht haben. Aber manchmal versetzen wir uns frei- oder unfreiwillig in andere Systeme. Heterotopien nennt Michel Foucault diese Anderswelten, die nach besonderen Regelwerken funktionieren. Hallenbäder, virtuelle Gaming-Welten oder Bibliotheken sind Beispiele dafür, aber auch Friedhöfe, Gefängnisse oder psychiatrische Kliniken. Heterotopien sind nach Foucault wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplatzierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können.

Realisierte Utopien? Das seien eigentlich Orte, wo alles gut ist, so Walter Russell Mead. Im Gegensatz zu den tristen Dystopien. Und in Heterotopia ist sowieso alles  irgendwie anders.

Die künstlerischen Arbeiten von Verena Andrea Prenner und Micha Wille setzen sich mit Welten auseinander, die nicht der Norm entsprechen. Als Soziologin bezieht Prenner eine ihr unbekannte Stätte für längere Zeit und wird Teil der dortigen Gesellschaft. So entstand im mittlerweile 60 Jahre alten Dheisheh Refugee Camp südlich von Betlehem „Camping“, eine Serie inszenierter Fotografien. Der dortige Alltag wird von der muslimischen Kultur und Religion beeinflusst, einem Leben zwischen Haram und Halal, dem Verbotenen und dem Erlaubten. Der individuelle Spielraum dazwischen ist minimal, besonders für Frauen. Verena Andrea Prenners Ankunft als alleinstehende Frau wurde von den Lager-Bewohnern mit großem Erstaunen gesehen. Anfangs wurde sie als israelische oder palästinensische Spionin eingeordnet, und natürlich als „billig“.

Im Juni 2014 begann der Krieg im Gazastreifen, das öffentliche Leben erstarrte, täglich kam es zu Protesten und Militäroperationen im Lager. Leid, Elend und Tod waren allgegenwärtig. In dieser Atmosphäre teilte Prenner mit der Gemeinde jene Trauer, die sie in den Jahren zuvor erlebt hatte, als sie endlose Tage auf Intensivstationen in Krankenhäusern und Spezialkliniken bei ihrem schwerkranken Freund verbrachte. Das Herz, Symbol des Lebens, stand in dieser Zeit dramatisch im Mittelpunkt und wird auch in ihrer künstlerischen Serie aufgegriffen.







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